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Autor: Simone Krämer

Mehr als nur ein paar nette Stunden Unterhaltung

„Und…Action!“ Die ist nicht nur der traditionelle Startruf bei Filmdrehs, sondern auch der Titel des Familien-Sonntags beim LUCAS-Filmfestival des Frankfurter DFF. LUCAS ist das älteste Deutsche Filmfestival für ein junges Publikum von Dreijährigen bis „Youngsters“. Am Familien-Sonntag, der von der Dr. Marschner Stiftung ermöglicht wurde, können Kinder und ihre Eltern in zahlreichen Workshops und Mitmachaktionen unterschiedliche Filmberufe kennenlernen als auch umsonst zum Festivalprogramm ins Kino des DFF sowie in die Dauerausstellung. Das gesamte Festival geht über acht Tage und präsentiert in sechs Kinos in Frankfurt, Offenbach und Umgebung mehr als 50 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme aus der ganzen Welt. Spannende Kinoerlebnisse, praxisnahe Workshops und interessante Gespräche – so wird der Kinobesuch zu mehr als nur ein paar netten Stunden guter Unterhaltung. Vom 24. September bis 1. Oktober 2026.

Auf hohem Niveau: Die Modernisierung der Alten Oper Wandelgänge

Die Frankfurter Alte Oper ist ganz oben angekommen – mit der zweiten und letzten großen Etappe der Neugestaltung der Wandelgänge des Hauses und Dank der Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung innerhalb einer Stiftungsallianz. Nach der Modernisierung und Installation einer Dauerausstellung mit fotografischen Impressionen des vielfältigen Programms auf Ebene 2 und 3, wurden über die Sommerpause in diesem Jahr die Gänge in Ebene 4 und 5 erneuert. Mit Farbe, Licht und modernen Sitzgelegenheiten ist nun auch hier die Atmosphäre freundlich und modern geprägt. Neben einer Erweiterung der Fotografien in 2 und 3, widmet sich die teils lustige oder auch nachdenklich stimmende Ausstellung in 4 den großen Künstlern und Künstlerinnen, die in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Auftritten Glanzpunkte im Haus setzen. Großformatige Projektionen lassen die Handschrift der Gästeeinträge etwa von Udo Lindenberg oder Herbert von Karajan lebendig werden. Die Geschichte der Alten Oper zeichnet die äußerst informative Schau in den Gängen der 5. Ebene nach. Sie führt unter anderem mit Hilfe von interaktiven Stationen von deren Eröffnung 1880, durch die Glanzzeiten am Anfang des letzten Jahrhunderts über die dunkle Zeit des Zweiten Weltkrieges, ihre Zerstörung und den Wiederaufbau 1981. Eines ist ab jetzt sicher in der Alten Oper: Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn und die Pausenzeit ist definitiv zu kurz für diesen mehr als spannenden Zeitvertreib.

Tanzende Fotografien eines Frankfurter Weltbürgers

„Rizzi bringt Bilder zum Tanzen,“ schrieb die FAZ in einer Ankündigung zu seiner aktuellen Ausstellung. Wie das genau aussieht, können Tanz-, Foto-, oder einfach Tony Rizzi – Fans im Fotografie Forum Frankfurt bestaunen. Ermöglicht durch die Dr. Marschner Stiftung gibt die nach einem Zitat des Künstlers betitelte Schau „Tony Rizzi. Work Hard, Don’t Lie, And Try Not To Hurt Anybody.“ Einen tiefen, sehr persönlichen Einblick in Rizzis intuitive fotografische Arbeit. Von den frühen Schwarz-Weiß-Fotografien, über die charakteristischen Polaroids und Fotocollagen bis hin zu aktuellen Videoarbeiten des früheren Ballet-Tänzers und Choreografen veranschaulichen die Werke seine künstlerische Vielfältigkeit. Und wie sehr Tony Rizzi in diesem Projekt des FFF aufgegangen ist und immer noch aufgeht, wird nicht nur daran deutlich, dass er für die Dauer der Ausstellung fast sein gesamtes Mobiliar als Exponate mit zur Verfügung gestellt hat. So wird der Betrachter nicht allein zum Voyeur des aufregenden und teils äußerst exzentrischen Lebens des Weltbürgers und Wahl-Frankfurters, sondern kann sich bei einem Plausch an Rizzis Küchentisch oder einer Pause auf seinem gemütlichen Sofa ein wenig wie der Künstlers selbst fühlen. Bis 17. Januar 2027.

Orte zur Auseinandersetzung und Befragung

Am Anfang stand oft eine kleine Installation in der Ecke oder auf der Fensterbank der eigenen Wohnung. Genauso wie ihre Gedanken, die um ein bestimmtes Thema, etwa Identität, Ökonomie oder Mutterschaft, kreisten, schaffte Anna Oppermann aus diesem Anfang meist raumfüllende Ensembles. Prozesshaft entwickelte die Konzeptkünstlerin mit Notizen, Fotografien, eigenen Gemälden oder Objekten Gedanken-Orte, die zur Auseinandersetzung und Befragung einladen. In der Ausstellung „Das Blaue vom Himmel“ im Frankfurter saasfee*pavillon, ermöglicht durch die Dr. Marschner Stiftung, ist, neben frühen Zeichnungen und einer der ersten Bild-Raum-Collagen, das letzte große Ensemble der 1993 verstorbenen documenta-Teilnehmerin zu sehen. Dass dieses Ensemble während der schweren Erkrankung Anna Oppermanns entstand, verleiht ihm auch inhaltlich eine besondere Intensität. Gekennzeichnet durch eine ungewöhnliche Helligkeit der einzelnen Fragmente und durch intensive Blautöne verbindet sich das Werk auf ungewöhnliche Weise mit der einzigartigen Architektur des saasfee*pavillon: Der Blick mäandert zwischen den Objekten und Spiegelungen und es eröffnet sich ein Dialog zwischen Innen und Aussen. Bis 29. November 2026.

Ein virtueller Blick in die jüdische Vergangenheit

Einst ein Zentrum des deutschen, liberalen Judentums, in dem die erste Rabbinerin ordiniert wurde, und als kultureller Ort fest in der Stadtgesellschaft verankert, wurde der Innenraum der architektonisch herausragenden Synagoge in der Offenbacher Goethestraße während der Progromnacht 1938 nahezu völlig zerstört. Die damals bewußt bewahrte Gebäudehülle wurde daraufhin gezielt als Kino und Theater aktiviert. Bis heute wird das Offenbacher Capitol Theater vorwiegend für kulturelle Events genutzt, doch die ursprüngliche Bestimmung und Architektur war bis vor Kurzem nur wenigen bekannt. Mit Hilfe des Vereins „Freunde des Capitol Theaters Offenbach e.V.“ und der Dr. Marschner Stiftung als Hauptförderer hat die Geschäftsführerin des Hauses Birgit von Hellborn dies nun geändert: In Zusammenarbeit der Architectura Virtualis GmbH, der Technischen Universität Darmstadt sowie der Goethe-Universität in Frankfurt konnte auf Basis historischer Pläne, Fotografien und wissenschaftlicher Expertise eine detailgetreue, digitale Nachbildung der früheren Synagoge entstehen. Mit diesem Projekt soll nicht nur die Würde des Ortes wieder hergestellt werden, sondern Vergangenheit sichtbar gemacht und dadurch wichtiges Wissen weitergegeben werden. Um dies jedem Interessierten zu ermöglichen, ist seit Anfang des Jahres die virtuelle Rekonstruktion als Film und mit einzelnen 3D-Ansichten in einer Installation im Eingangsbereich des Capitols während dessen Öffnungszeiten erlebbar.

„Come as you are“ zum „Kling-Spot“ in Offenbach

Kennen Sie ihn etwa noch nicht, den neuen „Kling-Spot“ in Offenbach? Aus Felgen und Brettern selbstgebaute Bänke, zugesägte Holzteile, die ein Treppengeländer zum gemütlichen Sitzplatz umformen oder eine lange Essens-Tafel, die sich in Sekundenschnelle in eine Tischtennisplatte umwandeln lässt: Das ist der neue „Kling-Spot“. So nennen ihn zumindest die Jugendlichen, die ihn in diesem Sommer mit viel Engagement, Phantasie und Arbeitsschweiß im Außenbereich des städtischen Klingspor Museums angelegt haben. Seit Jahren ist das Offenbacher Museum ein fester Bestandteil in der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt. Das Museumsteam ließ nun die kaum genutzte Terrasse und den Vorplatz des Hauses von Jugendlichen im Projekt „Come as you are“ ganz nach deren Vorstellungen selbst gestalten. So möchten sie diesen, mit Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung, mitten im Zentrum Offenbachs einen leicht zugänglichen Ort für Bewegung und Begegnung öffnen. Geplant ist auch in Zukunft mit den entstandenen und flexibel nutzbaren Objekten ein spannendes Angebot im Kontext der Museumsarbeit, wie Kinoabende oder Diskussionsrunden, zu bieten.

Am Wendepunkt: Die große Abschiedsschau vor der Generalsanierung

110 Jahre sind eine lange Zeit für ein so besonderes Museum wie das Deutsche Ledermuseum in Offenbach. Sie bringen unzählige spannende Geschichten, rund 150 außergewöhnliche Ausstellungen und am Ende über 30.000 einzigartige Objekte mit sich. Und nun, kurz vor diesem herausragenden Geburtstag, findet im Jahr 2026 ein weiteres Ereignis statt: „AM WENDEPUNKT: Das Deutsche Ledermuseum“ so der Titel der großen Abschiedsausstellung vor der umfassenden Generalsanierung des Hauses. Die Retrospektive, ermöglicht durch die Dr. Marschner Stiftung, befasst sich sowohl kritisch mit der bewegten Vergangenheit sowie der zukünftigen Ausrichtung des Museums. Neben einzigartigen Exponaten, die zum Großteil speziell für diese Schau aus dem Depot geholt und restauriert wurden, berichtet eine begehbare Timeline über historische Umbrüche und die Entwicklung zu einem international bedeutenden Spezialmuseum rund um das Material Leder bis hin zur inhaltlichen Neuausrichtung. Bis Anfang 2027.

Frischer Wind im Klassenzimmer

Frischer Wind in die Klassenzimmer unserer Kinder – der ist für viele Schulen in Frankfurt unabdingbar. Seit rund 20 Jahren bringt das TUSCHpektakel (Theater und Schule) Darstellenden Kunst und Theater mit der klassischen schulischen Bildung zusammen. 12 Kooperationen zwischen Schulen und Theatern der Stadt waren in diesem Jahr am Start.  Eine Partnerschaft läuft in der Regel über ein Schuljahr – genug Zeit, um gemeinsam Stücke zu entwickeln, Bühnenluft zu schnuppern und kreative Prozesse wirklich zu erleben. Zum Abschluss gibt es dann das große Spektakel mit Aufführungen der Teilnehmenden im Gallustheater. Jährlich erreichen die Projekte mehrere hundert Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, kulturelle Teilhabe zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen. Nach vielen Jahren engagierter und prägender Arbeit wird 2026 die langjährige Leiterin des Frankfurter Programms Gundula van den Berg verabschiedet und es wird deutlich: TUSCH ist längst mehr als ein Projekt – es ist ein fester Bestandteil in der  Bildungslandschaft unserer Stadt.

Aus schlichten Grüßen wurden kleine Kunstwerke

„Ich liebe Dich entsetzlich…“, und „Schenken Sie mir Ihr Wohlwollen, oder…“ – ein Betrachter schmunzelt unweigerlich, wenn er durch die aktuelle Ausstellung „Vergnügen durch Verwandlung – Bewegliche Glückwunschkarten aus der Zeit der Romantik“  im Deutschen Romantik Museum schlendert. Billets mit Klappen, Scheiben und Hebeln, die Szenen verwandeln, Figuren in Bewegung setzen und Botschaften übermitteln, begeisterten selbst den großen Goethe. Der Fantasie war keine Grenzen gesetzt, bei der allseits beliebten Modeerscheinung beweglicher Karten zwischen 1796 und etwa 1820. Aus schlichten Grüßen entwickelten sich in dieser Zeit kleine Kunstwerke. Die liebevoll gestaltete Ausstellung, unter anderem durch die Dr. Marschner Stiftung ermöglicht, wurde angeregt durch die Schenkung eines privaten Sammlers und wird ihrem Titel mehr als gerecht. Ergänzt durch bewegliche Kinderbücher, Papierspielzeuge der Zeit, aber auch aktuellen Bezügen, entfaltet die Schau den Zauber einer Epoche, der Verwandlung Vergnügen bereitete. Bis 6. September 2026.

Unterhaltsamer Blick auf unsere vernetzte Gegenwart

„20+1“ im Museum für Kommunikation Frankfurt erweitert die Dauerausstellung des Hauses um einen klug inszenierten Parcours aus 20 Perspektiven auf künstliche Intelligenz und ihre aktuelle Handhabung. Ermöglicht wurde diese Neugestaltung durch die Dr. Marschner Stiftung. Besucherinnen und Besucher erwarten interaktive Medienstationen, kurze Videos, prägnante Texte und überraschende Exponate, die Themen wie Algorithmen, Künstliche Intelligenz oder digitale Öffentlichkeit verständlich machen. 20 Vordenkerinnen und Impulsgeber etwa aus Wissenschaft, Politik und Kultur erläutern auf diesem unterhaltsamen Spaziergang durch die digitale Welt ausgewählte Aspekte und Themenbereiche. Der „+1“-Impuls lädt dazu ein, eigene Standpunkte zu entwickeln und mitzudenken. Kompakt, anschaulich und nah am Alltag verbindet die Ausstellung Information mit einem augenzwinkernden Blick auf unsere vernetzte Gegenwart.