Die Zukunft aus heutiger Sicht

50 Jahre ist ein Grund zum Feiern – auch in der aktuellen Pandemie-Situation: Für die Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach war das Jahr 1970 ein entscheidendes Jahr, in dem die altehrwürdige Werkkunstschule in Offenbach als Hochschule für Gestaltung anerkannt wurde. Die hierfür langgeplante Jubiläums-Ausstellung „Aus heutiger Sicht. Diskurse über Zukunft“ im Museum für angewandte Kunst (mak) in Frankfurt konnte nun trotz Corona endlich umgesetzt und eröffnet werden. Das Projekt, das sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern insbesondere mit der Zukunft auseinandersetzt, wurde durch die Förderung der Dr. Marschner Stiftung ermöglicht. In sechs inhaltliche Abschnitte gegliedert, beschäftigen sich die gezeigten Arbeiten mit Fragen, wie „Wie verändert uns die Technik?“ und „Wie nachhaltig sind Kunst und Design?“. Das Projekt im Gesamten besteht hierbei aus drei sich ergänzenden Modulen: Dem musealen Raum im mak, mit Exponaten der Studierenden und Lehrenden der Hochschule, einer eigenständigen digitalen Plattform, auf der neben einem virtuellen Rundgang auch Beiträge zu Themen, wie „Hat die Demokratie Zukunft?“ und „Welche Utopien hält die Kunst bereits?“ abzurufen sind, und einem Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen oder Workshops. Die Laufzeit der Ausstellung ist bis 4. Juli 2021 geplant.

Druckkunst erlebbar machen

In diesem Jahr wäre der Erfinder der lithographischen Druckkunst Alois Senefelder 250 Jahre alt geworden. Von Offenbach aus wurde die von ihm entwickelte Lithographie als kommerzielle Drucktechnik bereits ab 1800 in die ganze Welt getragen und bis heute gibt es dort Industriezweige, die Druckmaschinen und Farbe herstellen. Grund genug, um in Offenbach – mit Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung – die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ zu eröffnen. Dort können nicht nur druckgrafisch künstlerische Projekte umgesetzt werden, auch werden museumsrelevante Inhalte für ein Publikum aufgearbeitet und vermittelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche soll die spannende Geschichte und volle Bandbreite grafischer Techniken unter anderem in einem speziellen Workshop-Programm erlebbar gemacht werden. 

Die Dr. Marschner Stiftung sprach mit Dominik Gußmann, kommissarischer Leiter der Druckwerkstatt. 

Zum Interview

DMS: Herr Gußmann, warum sind Sie der richtige Mann für die „Druckwerkstatt im Bernardbau“?

DG: Seit meinem Studienbeginn an der Hochschule für Gestaltung Offenbach war es die Druckgrafik, die im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit stand. Dabei waren es zunächst die diversen Verfahren der Radierung, auf die ich mich in der Druckwerkstatt der HfG konzentrierte. Nach einiger Zeit kam als zweites Medium die Lithographie, also der Steindruck, hinzu. Im Rahmen meines Promotionsprojektes, das sich mit der Handschriftlichkeit in der historischen und zeitgenössischen Druckgrafik auseinandersetzt, absolvierte ich ein Auslandssemester an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dort intensivierte sich die Beschäftigung mit der Lithographie weiter. Der Steindruck entwickelte sich so zu einem meiner Hauptausdrucksmittel. Seit 2017 führe ich die historische Stangenpresse im Haus der Stadtgeschichte Offenbach vor.  Dabei handelt es sich um einen Nachbau der ersten Lithographiepresse Alois Senefelders. Im Rahmen meiner eigenen künstlerischen Arbeit versuche ich Wege zu finden, auch fotografische und digital erzeugte Bilder in den „klassischen“ Steindruck zu integrieren.

DMS: Was ist Ihre dortige Aufgabe? 

DG: Im September 2019 bin ich durch das Haus der Stadtgeschichte Offenbach für die Planung und Realisierung der „Druckwerkstatt im Bernardbau“ hinzugezogen worden und habe so im vergangenen Jahr, zusammen mit der Kuratorin im Haus der Stadtgeschichte Katja M. Schneider, die Werkstatt durch alle ihre Phasen der Entstehung begleitet. Meine Aufgabe war zunächst die im Haus der Stadtgeschichte eingelagerte Schenkung „Grafische Werkstatt für Technik und Kunst“ von Klaus Kroner zu sichten. Diese bildet den Grundstock für die „Druckwerkstatt im Bernardbau“. Im Weiteren war mein  Aufgabenfeld ein Konzept für die räumliche Aufteilung der Werkstatt zu erstellen, später die Koordination der HandwerkerInnen und die Organisation der Maschinen-, bzw. Druckpressentransporte. Dabei handelt es sich u. a. um eine Krause-Kniehebelpresse für Lithographie des Druckgrafikers Walter Schautz und um die Dauerleihgabe der manroland sheetfed GmbH (zwei historische Buchdruckpressen und eine Kniehebelpresse für Lithographie). Unser Vorgehen im Realisierungsprozess begründete sich auf zahlreiche Gespräche mit diversen Fachleuten für die unterschiedlichen Bereiche der Werkstatt. Hier sind vor allem Eckhard Gehrmann (Lithograph und Mitglied des Vorstands der Internationalen Senefelder Stiftung) und Volker Steinbacher (Werkstattleitung der Freien Druckgrafik HfG) unter vielen anderen zu nennen. Während der Umsetzung der Arbeitszeile für den Bleisatz waren es vor allem die MitarbeiterInnen des Klingspor Museums, die federführend tätig waren. Auch die Erarbeitung eines ersten Finanzierungsplans für zukünftige Workshops oblag mir. Seit Januar 2021 bin ich nun vor allem mit der Erprobung von Arbeitsabläufen und dem Erarbeiten von Workshopangeboten beschäftigt, die aufgrund der Corona-Pandemie aber momentan leider noch nicht stattfinden können.

DMS: Was ist der historische Hintergrund für die Ansiedlung der Druckwerkstatt in Offenbach? 

DG: Die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hauses der Stadtgeschichte Offenbach und des Klingspor Museums. Die Museen stehen im Kern für die Geschichte der Lithographie und die Geschichte der Schriftgießerei hin zum Schwerpunkt Künstlerbuch. Die Druckhistorie der Stadt Offenbach basiert zum einen darauf, dass Offenbach der Standort der Schriftgießerei „Gebr. Klingspor“ war und zum anderen, dass die 1798 von Alois Senefelder entwickelte Lithographie von hier aus als kommerziell genutzte Drucktechnik in alle Welt getragen wurde. Später entstanden in Offenbach große Industriezweige, die Druckmaschinen und Farben herstellten. Bis zum heutigen Tag produziert die manroland sheetfed GmbH Bogenoffsetdruckmaschinen in Offenbach. Daraus ergeben sich die zwei künstlerisch-technischen Schwerpunkte der Werkstatt: Lithographie und Hochdruck / Buchdruck, kombiniert mit den Möglichkeiten Künstlerbücher zu entwerfen und zu binden.

DMS: Was macht die künstlerische Technik der Lithographie aus?

DG: Das Hauptmerkmal der Lithographie ist, dass die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks größer sind, als bei allen anderen Formen der künstlerischen Druckgrafik. So lassen sich Motive zum einen auf rein zeichnerische Weise umsetzen, so, dass das Resultat wie eine Bleistift- oder Kreidezeichnung wirken kann. Zum anderen ist durch die Benutzung von Lithographietuschen, oder anderer fetthaltiger Substanzen, eine expressiv-malerische Umsetzung möglich. So reihen sich etwa die zahlreichen Lithographien des Malers K.O. Götz nahtlos in dessen großformatige Informell-Gemälde ein. Auch fotografische und digital erzeugte Bilder lassen sich in die Lithographie übertragen und mit malerischen Formen des Steindrucks kombinieren. 

DMS: Welche Highlights erwarten die Besucher der Druckwerkstatt?

DG: Neben der wichtigen Aufgabe der Werkstatt die museumsrelevanten Inhalte für das Publikum praktisch erfahrbar zu machen, ist eine Besonderheit der „Druckwerkstatt im Bernardbau“ die Möglichkeit komplexe druckgrafische künstlerische Projekte, bis hin zum Künstlerbuch in Kleinauflage, zu realisieren. Das bedeutet, dass verschiedene grafische Verfahren miteinander kombiniert werden können. So ist es beispielsweise möglich, eine Serie von Lithographien oder Radierungen mit Buchdruck zu kombinieren und die so entstandenen Blätter an der Buchbindezeile zu einem Buch zu binden. Wir bieten nahezu die volle Bandbreite grafischer Techniken von Flach-, Hoch-, und Tiefdruck, über Bleisatz, bis hin zu Buchbinden, die dabei vor allem auch in Kombination zu nutzen sind, an. Diese Fülle an Möglichkeiten soll aber nicht nur einem Fachpublikum offenstehen, sondern für alle Interessierten, und vor allem auch Kindern und  Jugendlichen zugänglich sein. Geplant ist ein Workshop-Programm, das zunächst in die jeweiligen Techniken eine umfassende Einführung bieten soll. Weiterführende Kursangebote durch die Werkstattleitung oder durch externe renommierte Künstler*innen werden angeboten. Zusätzlich wäre es wünschenswert eine Form von „Artist in Residency Program“ ins Leben rufen zu können, in dessen Rahmen KünstlerInnen eine bestimmte Zeit in Offenbach leben und in der Werkstatt arbeiten könnten. All diese hier nur angerissenen Punkte sollen dazu beitragen, die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ und Offenbach insgesamt als ein Zentrum der zeitgenössischen Druckgrafik und des Künstlerbuches zu etablieren.

Wünsche erfüllen

Über 400 Kinder konnte die „Tafel Offenbach“ im ganzen Stadtgebiet mit Puzzle, Mäppchen, Fußbällen, Spielen und vielen weiteren kleinen und großen Geschenken zu Weihnachten beglücken. Auch wenn es im durch Covid-19 geprägten Jahr 2020 manchen Eltern schwer fiel ihren Kindern Weihnachtswünsche zu erfüllen, dank der schon traditionellen Weihnachtsaktion der „Tafel Offenbach“ hat es meist trotzdem geklappt und Kinderaugen leuchteten fröhlich. Finanziell unterstützt wird die beliebte Aktion durch die Dr. Marschner Stiftung bereits im 11. Jahr. 

Fantastisch unabhängig

Unabhängig und selbstständig waren die Künstlerinnen des Surrealismus. Auch wenn die Frauen zuerst als Partnerinnen oder Modelle in den Kreis um André Breton gelangten – sie waren weitaus mehr als nur surrealistische Männerfantasien. Die Ausstellung „Fantastische Frauen“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, maßgeblich von der Dr. Marschner Stiftung unterstützt, beleuchtet erstmals den weiblichen Beitrag zum Surrealismus und zeigt, dass die Beteiligung der Künstlerinnen an der internationalen Bewegung wesentlich umfassender war als allgemein bekannt und bislang dargestellt. Ihre Suche nach einem neuen weiblichen Identitätsmodell, die sich in den stilistisch vielfältigen Werken wiederfindet, wird getragen durch das Einnehmen unterschiedlicher Rollen und die Befragung des eigenen Spiegelbildes. Bis 24. Mai 2020.

Bücherspaß

Wo ist der kleine Hund „Dracula“? Die Antwort füllt ein ganzes Buch der Autorin Lara Schützsack. Und da Kinder grundsätzlich neugierig sind, hören sie bei ihrer Autorenlesung im Frankfurter Literaturhaus aufmerksam zu. Diese Lesung ist nur eines der vielen tollen Projekte des „Jungen Literaturhauses“ für Kinder und Jugendliche. Das vielfältige Programm macht nicht nur Spaß, sondern möchte den Umgang mit Büchern fördern, die notwendige, kulturelle Lese-Kompetenz anregen und sich zusätzlich als außerschulischen Lernort etablieren. Die Dr. Marschner Stiftung freut sich, dieses in unserer zunehmend durch digitale Medien geprägten Gesellschaft wichtige Angebot zu unterstützen.

Struwwelpeter bühnenreif

Die Erzählungen um den Struwwelpeter glaubt jeder zu kennen. Doch das Thema bleibt unerschöpflich: Die Neuadaption der weltberühmten Struwwelpeter-Geschichte ist das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit des Frankfurter Ensemble Moderns und der Fliegenden Volksbühne. Dank der Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung konnte das Stück nun im Frühjahr 2020 im kürzlich eröffneten Cantate-Saal auf die Bühne gebracht werden. Gesang und Performance übernahmen das bekannte Duo Sabine Fischmann und Michael Quast. Die Musik wurde eigens für dieses Projekt von drei Musikern des Ensembles Modern neu komponiert.

Woher kommt der Flip-Flop?

Das Sprichwort „Zwei linke Füßen haben“ kennt jeder, doch dass es tatsächlich eine Zeit gab, in der kein linker und kein rechter Schuh getragen wurde, sondern nur eine Form – den sogenannten Wendeschuh – für beide Füße, dass weiß heutzutage kaum jemand mehr. „Seit wann gibt es einen rechten und linken Schuh?“ ist nur eine Frage, die die kulturwissenschaftlich hervorragend aufgearbeitete, spannende und manchmal auch zum Schmunzeln anregende Ausstellung „Step by Step. Schuh.Design im Wandel“ im Deutschen Ledermuseum in Offenbach untersucht. Durch die Dr. Marschner Stiftung ermöglicht, stellte das Museum, das selbst über eine weltweit einzigartige Schuhsammlung verfügt, eine wunderbare Schau mit Beispielen aus aller Welt und durch alle Zeiten zusammen. Woher kommt der Flip-Flop? Wie hat sich der Absatz entwickelt? Worin besteht der erotische Reiz bestimmter Schuhe? Zum einen thematisch zum anderen chronologisch gegliedert sind 150 ausgewählte Schuhpaare zu sehen. Es werden einzigartige Exponate aus der Sammlung des Hauses, wie etwa peruanische Sandalen von 300 – 200 v. Chr. und Kinderschuhe aus dem 18. Jahrhundert, zeitgenössischen Modellen namhafter Designern z.B. Jimmy Choo oder den aktuellen Kultobjekten „Adiletten“ gegenübergestellt. Der Besucher erfährt etwas über den Ursprung der berühmten roten Sohle der Louboutin-Pumps und lernt den Schuh als politisches sowie gesellschaftshistorisches Statement zu verstehen. Bis 21. Mai 2020.