Ein virtueller Blick in die jüdische Vergangenheit

Einst ein Zentrum des deutschen, liberalen Judentums, in dem die erste Rabbinerin ordiniert wurde, und als kultureller Ort fest in der Stadtgesellschaft verankert, wurde der Innenraum der architektonisch herausragenden Synagoge in der Offenbacher Goethestraße während der Progromnacht 1938 nahezu völlig zerstört. Die damals bewußt bewahrte Gebäudehülle wurde daraufhin gezielt als Kino und Theater aktiviert. Bis heute wird das Offenbacher Capitol Theater vorwiegend für kulturelle Events genutzt, doch die ursprüngliche Bestimmung und Architektur war bis vor Kurzem nur wenigen bekannt. Mit Hilfe des Vereins „Freunde des Capitol Theaters Offenbach e.V.“ und der Dr. Marschner Stiftung als Hauptförderer hat die Geschäftsführerin des Hauses Birgit von Hellborn dies nun geändert: In Zusammenarbeit der Architectura Virtualis GmbH, der Technischen Universität Darmstadt sowie der Goethe-Universität in Frankfurt konnte auf Basis historischer Pläne, Fotografien und wissenschaftlicher Expertise eine detailgetreue, digitale Nachbildung der früheren Synagoge entstehen. Mit diesem Projekt soll nicht nur die Würde des Ortes wieder hergestellt werden, sondern Vergangenheit sichtbar gemacht und dadurch wichtiges Wissen weitergegeben werden. Um dies jedem Interessierten zu ermöglichen, ist seit Anfang des Jahres die virtuelle Rekonstruktion als Film und mit einzelnen 3D-Ansichten in einer Installation im Eingangsbereich des Capitols während dessen Öffnungszeiten erlebbar.