Wissenschaft, Kultur, Soziales – drei Säulen, mit denen die gemeinnützige
Dr. Marschner Stiftung in der Gesellschaft verankert ist und die unsere Arbeit stützen.
Auf unserer Website heißen wir Sie willkommen, das Wirkungsfeld der Stiftung kennenzulernen.

Direkt, radikal und rigoros – Paula Modersohn-Becker in Frankfurt

Als „merkwürdig“ im doppelten Sinne werden die Werke von Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907) oft bezeichnet: Merkwürdig, seltsam, anders und eigenwillig – so zeigte die berühmte Vertreterin der Klassischen Moderne nicht nur sich selbst in ihren faszinierenden Selbstporträts, sondern oft auch Freunde und Verwandte, die sie in schonungsloser Direktheit darstellte. Merkwürdig, aber auch im Sinne von denkwürdig, im Gedächtnis bleibend – denn die im Motiv als auch im malerischen Duktus außergewöhnlichen, überzeitlichen Arbeiten sind bis heute einzigartig und ziehen Betrachter und Betrachterinnen in ihren Bann. Nicht schön und gefällig sind die prägnanten Bilder Modersohn-Beckers, sondern radikal, rigoros und überraschend. 116 Gemälde und Zeichnungen sind nun in der großen Retrospektive „Paula Modersohn-Becker“ der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen. Die Ausstellung, die mit Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung realisiert wurde, versammelt Werke aus allen Schaffensphasen der Künstlerin in Frankfurt, darunter Hauptwerke, die heute als Ikonen der Kunstgeschichte gelten. Die Gesamtschau zeigt wie entschieden sie sich über gesellschaftliche und künstlerische Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzte und zentrale Tendenzen der Moderne vorwegnahm. In ihrem kurzen Leben schuf sie ein umfassendes und facettenreiches Œuvre, das über 100 Jahre zur Projektionsfläche wurde und bis heute fasziniert. Bis 6. Februar 2022.

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Cooler als Schule: Die neue Klimawerkstatt in Offenbach

Wieviel wiegt eine Wolke? Wohin verschwindet der Wind? Oder etwas komplizierter: Was ist ein Fujiwhara-Effekt? Wie das Wetter wirklich funktioniert und wie spannend Wetterphänomene tatsächlich sein können, das erklärt die neue Wetter- und Klimawerkstatt in Offenbach. Das kreative Informationszentrum, das vom Deutschen Wetterdienst mit Sitz in Offenbach und der Stadt getragen wird und mit Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung entstanden ist, erklärt nicht nur Kindern wie Luftdruck funktioniert oder was Thermik genau bedeutet. Neben Workshops zu unterschiedlichen Themen, gibt es Vorträge mit Experten aus diversen Fachgebieten und Veranstaltungen für alle Altersklassen. Neben dauerhaft installierten Experimentierstationen und ästhetisch beeindruckenden Informationstafeln, gibt es alle zwei Monate ein neues Schwerpunktthema, neben „Faszination Wolken“, zum Beispiel „Mein Lieblingswetter“. Die Werkstatt im Herzen Offenbachs in der Frankfurter Straße angesiedelt, soll ein niedrig schwelliges Angebot etwa auch für spontan Neugierige sein. Wissenschaftliche Aspekte werden einfach erklärt und die Architektur lädt zum entspannten Verweilen ein. Und wie es ein junger Besucher im Gästebuch beschrieb, die Klimawerkstatt ist auf jeden Fall „cooler als Schule“.

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Dialogmuseum eröffnet neue Räume in der B-Ebene der Hauptwache

Endlich hat das Frankfurter Dialogmuseum einen neuen Platz gefunden und seine neuen Räume an der Hauptwache im Zentrum der Stadt eröffnet. Altbekanntes aber auch viel Neues können Besucher in der B-Ebene auf 960 Quadratmeter entdecken. Seit über zehn Jahren unterstützt die Dr. Marschner Stiftung das Programm für Schüler des Dialogmuseums. Und auch am neuen Standort ist dies ein Hauptstandbein des einmaligen Hauses. Indem man sich nur mit einem Langstock, den eigenen Händen und der Stimme des Guides durch die stockdunklen Ausstellungsräume des Museum bewegt, erlebt man hautnah wie sich blinde Menschen im Alltag fühlen, bewegen und eventuell auch auf andere Menschen angewiesen sind; soziales Lernen, das seines gleichen sucht. Neben der neu installierten Fahrt mit einem Ebbelwei-Express ist ebenso der Klangraum neu, in dem Besucher den Sound unterschiedlicher Klanginstallationen auf Möbeln spüren können. Im Foyer des Museums gibt es eine Sinnes- und Explorer-Station, die unabhängig eines Besuches erkundet werden kann. So hofft das Haus auch auf Laufpublikum an diesem prominenten Ort der Stadt ansprechen zu können und den Austausch und das Verständnis zwischen Sehenden und Blinden weiter zu fördern.

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Ein Ort der Begegnung: Das neue Foyer der Alten Oper

Ein Raum für Begegnungen, Mittagskonzerte oder einfach zum Verweilen – der neugestaltete Eingangsbereich in der Ebene 2 der Frankfurter Alten Oper ist mehr als nur ein Foyer. Pünktlich und passend zum 40-jährigen Jubiläum des deutschlandweit bekannten Konzerthauses wurde das nun neu betitelte „Clara Schuhmann Foyer“ nach rund sieben Jahren Bauzeit wiedereröffnet. Ermöglicht wurde die Neugestaltung vor allem durch die Förderung der Dr. Marschner Stiftung und der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung, die insgesamt eine Million Euro zur Verfügung stellten. Das Zentrum des hellen, modernen und elegant ausgestatteten Raumes bildet eine Rundumbar. Mehrere Medienflächen wurden integriert und eine Raumtrennung zur individuellen Nutzung ist möglich. Durch optisch erhöhte Decken scheint das Foyer insgesamt weniger gedrungen, vielmehr dynamisch und weit greifend. Das Clara Schuhmann Foyer – eine weitere Bereicherung in der Frankfurter Kulturlandschaft, nicht nur für Liebhaber der Klassischen Musik.

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Gesundheit ermöglichen

Individuelle Betreuung für Menschen, die nur schwer Zugang zu gesundheitlicher Versorgung finden, bietet die Caritas Straßenambulanz Offenbach. Krankenschwestern der Straßenambulanz sind zum Beispiel im ganzen Stadtgebiet unterwegs und suchen Männer und Frauen auf, die durch das Raster des Gesundheits- und Sozialsystems gefallen sind. Finanziell unterstützt werden sie bei diesem Projekt von der Dr. Marschner Stiftung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Straßenambulanz versorgen und beraten im mobilen und stationären Einsatz, bauen Vertrauensbeziehungen auf und begleiten langfristig auf dem Weg zu mehr Stabilität und gesellschaftlichem Anschluss. So gelingt es ihnen den Menschen am Rand der Stadt und der Gesellschaft wieder ein Gesicht zu geben. Die Motivation für diese herausragende Aufgabe: „Mit unserer Arbeit wollen wir die Gesundheit von Menschen in Not schützen, diesen ein Stück Lebensqualität zurückgeben und ihnen bei der Wiedereingliederung in das Sozialsystem zur Seite stehen.“

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Druckkunst erlebbar machen

In diesem Jahr wäre der Erfinder der lithographischen Druckkunst Alois Senefelder 250 Jahre alt geworden. Von Offenbach aus wurde die von ihm entwickelte Lithographie als kommerzielle Drucktechnik bereits ab 1800 in die ganze Welt getragen und bis heute gibt es dort Industriezweige, die Druckmaschinen und Farbe herstellen. Grund genug, um in Offenbach – mit Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung – die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ zu eröffnen. Dort können nicht nur druckgrafisch künstlerische Projekte umgesetzt werden, auch werden museumsrelevante Inhalte für ein Publikum aufgearbeitet und vermittelt. Insbesondere für Kinder und Jugendliche soll die spannende Geschichte und volle Bandbreite grafischer Techniken unter anderem in einem speziellen Workshop-Programm erlebbar gemacht werden. 

Die Dr. Marschner Stiftung sprach mit Dominik Gußmann, kommissarischer Leiter der Druckwerkstatt. 

Zum Interview

DMS: Herr Gußmann, warum sind Sie der richtige Mann für die „Druckwerkstatt im Bernardbau“?

DG: Seit meinem Studienbeginn an der Hochschule für Gestaltung Offenbach war es die Druckgrafik, die im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit stand. Dabei waren es zunächst die diversen Verfahren der Radierung, auf die ich mich in der Druckwerkstatt der HfG konzentrierte. Nach einiger Zeit kam als zweites Medium die Lithographie, also der Steindruck, hinzu. Im Rahmen meines Promotionsprojektes, das sich mit der Handschriftlichkeit in der historischen und zeitgenössischen Druckgrafik auseinandersetzt, absolvierte ich ein Auslandssemester an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dort intensivierte sich die Beschäftigung mit der Lithographie weiter. Der Steindruck entwickelte sich so zu einem meiner Hauptausdrucksmittel. Seit 2017 führe ich die historische Stangenpresse im Haus der Stadtgeschichte Offenbach vor.  Dabei handelt es sich um einen Nachbau der ersten Lithographiepresse Alois Senefelders. Im Rahmen meiner eigenen künstlerischen Arbeit versuche ich Wege zu finden, auch fotografische und digital erzeugte Bilder in den „klassischen“ Steindruck zu integrieren.

DMS: Was ist Ihre dortige Aufgabe? 

DG: Im September 2019 bin ich durch das Haus der Stadtgeschichte Offenbach für die Planung und Realisierung der „Druckwerkstatt im Bernardbau“ hinzugezogen worden und habe so im vergangenen Jahr, zusammen mit der Kuratorin im Haus der Stadtgeschichte Katja M. Schneider, die Werkstatt durch alle ihre Phasen der Entstehung begleitet. Meine Aufgabe war zunächst die im Haus der Stadtgeschichte eingelagerte Schenkung „Grafische Werkstatt für Technik und Kunst“ von Klaus Kroner zu sichten. Diese bildet den Grundstock für die „Druckwerkstatt im Bernardbau“. Im Weiteren war mein  Aufgabenfeld ein Konzept für die räumliche Aufteilung der Werkstatt zu erstellen, später die Koordination der HandwerkerInnen und die Organisation der Maschinen-, bzw. Druckpressentransporte. Dabei handelt es sich u. a. um eine Krause-Kniehebelpresse für Lithographie des Druckgrafikers Walter Schautz und um die Dauerleihgabe der manroland sheetfed GmbH (zwei historische Buchdruckpressen und eine Kniehebelpresse für Lithographie). Unser Vorgehen im Realisierungsprozess begründete sich auf zahlreiche Gespräche mit diversen Fachleuten für die unterschiedlichen Bereiche der Werkstatt. Hier sind vor allem Eckhard Gehrmann (Lithograph und Mitglied des Vorstands der Internationalen Senefelder Stiftung) und Volker Steinbacher (Werkstattleitung der Freien Druckgrafik HfG) unter vielen anderen zu nennen. Während der Umsetzung der Arbeitszeile für den Bleisatz waren es vor allem die MitarbeiterInnen des Klingspor Museums, die federführend tätig waren. Auch die Erarbeitung eines ersten Finanzierungsplans für zukünftige Workshops oblag mir. Seit Januar 2021 bin ich nun vor allem mit der Erprobung von Arbeitsabläufen und dem Erarbeiten von Workshopangeboten beschäftigt, die aufgrund der Corona-Pandemie aber momentan leider noch nicht stattfinden können.

DMS: Was ist der historische Hintergrund für die Ansiedlung der Druckwerkstatt in Offenbach? 

DG: Die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hauses der Stadtgeschichte Offenbach und des Klingspor Museums. Die Museen stehen im Kern für die Geschichte der Lithographie und die Geschichte der Schriftgießerei hin zum Schwerpunkt Künstlerbuch. Die Druckhistorie der Stadt Offenbach basiert zum einen darauf, dass Offenbach der Standort der Schriftgießerei „Gebr. Klingspor“ war und zum anderen, dass die 1798 von Alois Senefelder entwickelte Lithographie von hier aus als kommerziell genutzte Drucktechnik in alle Welt getragen wurde. Später entstanden in Offenbach große Industriezweige, die Druckmaschinen und Farben herstellten. Bis zum heutigen Tag produziert die manroland sheetfed GmbH Bogenoffsetdruckmaschinen in Offenbach. Daraus ergeben sich die zwei künstlerisch-technischen Schwerpunkte der Werkstatt: Lithographie und Hochdruck / Buchdruck, kombiniert mit den Möglichkeiten Künstlerbücher zu entwerfen und zu binden.

DMS: Was macht die künstlerische Technik der Lithographie aus?

DG: Das Hauptmerkmal der Lithographie ist, dass die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks größer sind, als bei allen anderen Formen der künstlerischen Druckgrafik. So lassen sich Motive zum einen auf rein zeichnerische Weise umsetzen, so, dass das Resultat wie eine Bleistift- oder Kreidezeichnung wirken kann. Zum anderen ist durch die Benutzung von Lithographietuschen, oder anderer fetthaltiger Substanzen, eine expressiv-malerische Umsetzung möglich. So reihen sich etwa die zahlreichen Lithographien des Malers K.O. Götz nahtlos in dessen großformatige Informell-Gemälde ein. Auch fotografische und digital erzeugte Bilder lassen sich in die Lithographie übertragen und mit malerischen Formen des Steindrucks kombinieren. 

DMS: Welche Highlights erwarten die Besucher der Druckwerkstatt?

DG: Neben der wichtigen Aufgabe der Werkstatt die museumsrelevanten Inhalte für das Publikum praktisch erfahrbar zu machen, ist eine Besonderheit der „Druckwerkstatt im Bernardbau“ die Möglichkeit komplexe druckgrafische künstlerische Projekte, bis hin zum Künstlerbuch in Kleinauflage, zu realisieren. Das bedeutet, dass verschiedene grafische Verfahren miteinander kombiniert werden können. So ist es beispielsweise möglich, eine Serie von Lithographien oder Radierungen mit Buchdruck zu kombinieren und die so entstandenen Blätter an der Buchbindezeile zu einem Buch zu binden. Wir bieten nahezu die volle Bandbreite grafischer Techniken von Flach-, Hoch-, und Tiefdruck, über Bleisatz, bis hin zu Buchbinden, die dabei vor allem auch in Kombination zu nutzen sind, an. Diese Fülle an Möglichkeiten soll aber nicht nur einem Fachpublikum offenstehen, sondern für alle Interessierten, und vor allem auch Kindern und  Jugendlichen zugänglich sein. Geplant ist ein Workshop-Programm, das zunächst in die jeweiligen Techniken eine umfassende Einführung bieten soll. Weiterführende Kursangebote durch die Werkstattleitung oder durch externe renommierte Künstler*innen werden angeboten. Zusätzlich wäre es wünschenswert eine Form von „Artist in Residency Program“ ins Leben rufen zu können, in dessen Rahmen KünstlerInnen eine bestimmte Zeit in Offenbach leben und in der Werkstatt arbeiten könnten. All diese hier nur angerissenen Punkte sollen dazu beitragen, die „Druckwerkstatt im Bernardbau“ und Offenbach insgesamt als ein Zentrum der zeitgenössischen Druckgrafik und des Künstlerbuches zu etablieren.